
13.07.2010 -
Am Samstag, 10. Juli 2010, gegen 16 Uhr starb Vilja, unsere Elefantengreisin und Europas älteste Elefantenkuh. Sie gehörte zu den bekanntesten Tierpersönlichkeiten der Wilhelma - ja, sie war als eines der ersten Säugetiere praktisch ein Gründungsmitglied und zudem als Vorbild für das Logo quasi auch "Wappentier" der Wilhelma. Bereits 1952 war sie im Zuge einer Tierausstellung etwa vierjährig nach Stuttgart gekommen und danach vom damaligen Direktor Albert Schöchle für 12000 Mark gekauft worden.
Jetzt ist Vilja tot, gestorben an einem Kreislaufkollaps, wie die ärztlichen Untersuchungen ergaben. 2008 lag sie schon einmal im Graben und konnte nahezu unversehrt wieder herausgehievt werden. Auch diesmal hat nicht der Sturz unmittelbar zum Tod geführt, sondern ihr Kreislauf hat versagt. Sicher ist, dass sie schnell starb und nicht lange gelitten hat. Ob auch die Hitze eine Rolle spielte, ist nicht sicher. Jedenfalls hatte Vilja diese in den Tagen davor gut verkraftet, sie wirkte sogar besonders fit. Und notfalls warf sich Vilja einfach kühlen Schlamm auf den Rücken, erhielt Duschen, ging in den Schatten oder gab den Pflegern zu verstehen, dass sie lieber im Haus bleiben würde. So wie sie immer genau wusste, was sie wollte - und das ihren Pflegern auch zu vermitteln wusste (schließlich bedeutet ihr Name im Schwedischen "Wille"). Denn Vilja war intelligent, gewieft, stur, eigensinnig, lieb, einfühlsam und vieles mehr. Kein Wunder, dass sie alle sehr vermissen werden, ganz besonders ihre Pfleger.

13.02.2009 -
Am 24. Januar 2009 feierte Vilja ihren 60. Geburtstag - die große alte Dame des Elefantenhauses ist damit der derzeit älteste Asiatische Elefant Europas. Natürlich gab es auch ein passendes Geschenk für die Jubilarin, die für ihren großen Appetit bekannt ist: einen fast einen Quadratmeter großen Kuchen aus Brotteig, belegt mit Bananen sowie Karotten und Rote Beete, die für die fast zahnlose Greisin vorher weich gekocht wurden. Serviert haben ihr die Torte ihre Tierpfleger, der Ehrengast und frühere Wilhelma-Direktor Dr. Wilbert Neugebauer und die Wilhelma-Vizedirektorin Dr. Marianne Holtkötter. Lange war die Torte vor Viljas langem Rüssel freilich nicht sicher. Doch sie hat der Elefantin sichtlich gemundet - und am Ende war auch nicht ein Möhrchen mehr davon übrig.
Auf den 24. Januar gelegt wurde Viljas Geburtstag, weil sie just an diesem Datum vor einem Jahr einen dramatischen Sturz in den Gehegegraben heil überstanden hatte - und weil ihr genaues Geburtsdatum ohnehin nie bekannt war. Natürlich hoffen alle ihre Pfleger, Freunde und Fans, dass sie noch möglichst viele Geburtstage erleben möge. Aber für solche Leckereien wie Geburtstgskuchen würde Vija ja bekanntlich alles tun - wir können also hoffen! (Mehr über die Geschichte Viljas erzählt die Presseinformation vom 23.1. unter "Unternehmen/Aktuelles und Presse")

24.01.2008 -
Es gibt Dinge, die möchte man als Zoologe eigentlich nicht hören. Etwa mitten in der Mittagspause die Meldung eines Wilhelma-Besuchers, ein Elefant sei in den Graben der Anlage gefallen. So etwas zählt zu den Super-Gaus im Zoo und führte augenblicklich zu hektischer Betriebsamkeit: Die vertrauten Pfleger, viele kräftige Helfer nebst Inspektor, Zoologin und Direktor machten sich sofort auf, um alle Hebel zur ersten Hilfe in Bewegung zu setzen. Der Unglücksrabe war noch dazu „Vilja“, eines der dienstältesten Wilhelma-Tiere und mit über 58 Jahren ältester Zoo-Elefant in Europa. Es war sofort klar: Allein kriegt sie das nicht hin, und nur mit menschlicher Muskelkraft geht’s auch nicht – die Feuerwehr musste her. Höchste Eile war geboten, denn die alte Dame stand unter Schock, und ein Elefant kann nicht stundenlang auf der Seite liegen: Durch das eigene Gewicht werden sonst lebenswichtige Organe so gequetscht, dass der Kreislauf zusammenbricht. Bis zum Eintreffen der Feuerwehr wurden schon mal Strohballen beschafft und als Stütze um das Tier geschichtet. Ein kreislaufstärkendes Mittel sorgte bei „Vilja“ für eine kleine aber entscheidende Aufmunterung der Lebensgeister – zwar musste die Grande Dame bei der ganzen Aktion auf ihren Leibarzt verzichten, der sich auf einer Tagung befand. Aber immerhin stand er seiner Assistentin per Telefonhotline mit Rat und Tat zur Seite. Fast 2 Stunden lang schufteten alle Beteiligten, um Tragegurte unter „Vilja“ durchzuziehen und sie dann mit feinfühliger Kranführung der Feuerwehr wieder auf die zittrigen Beine zu stellen. Äpfel kauend und schwankend folgte sie ihrem Pfleger dann aus dem Graben heraus zurück ins Elefantenhaus. Ob ihr wohl klar war, dass sie dem Tod gerade noch von der Schippe gesprungen war? Ihren Kolleginnen „Pama“, Zella“ und „Molly“ jedenfalls wird „Vilja“ heute Nacht wohl einiges erzählen – schließlich hatten die drei die alte Dame im Streit in den Graben geschubst. Und damit die elefantöse Diskussion in der Nacht nicht ausartet, wird ein Pfleger als Diskussionsleiter über Nacht dableiben.
Zusatzinfo „Vilja“:
Mit einer Ausstellung über indische Dschungeltiere kam sie 1952 als Dreijährige nach Stuttgart. Nach Ende der Ausstellung kaufte der damalige Direktor A. Schöchle die junge Inderin für stolze 12 000,- DM. Zusammen mit anderen Überbleibseln exotischer Tierschauen sorgte „Vilja“ dafür, dass aus dem Botanischen Garten ein Zoologisch-Botanischer Garten wurde. Ihre Gefährten aus diesen ersten Jahren leben schon lange nicht mehr. Die jetzigen Gesellschaftsdamen, die drei indischen Elefantenkühe Pama, Molly und Zella, sind erheblich jünger

24.01.2008 -
15.15 Uhr: Nach drei Stunden ist alles vorbei. Vilja wird von ihrem Pfleger aus dem Graben ins angrenzende Gehege geführt. Sie folgt den ihr angebotenen Apfelstücken anfangs noch etwas schwankend. Abends steht sie wie gewohnt an ihrem Platz im Stall, wirft sich wie immer Stroh auf den Rücken - und frißt mit gutem Appetit.

24.01.2008 -
Behutsam läßt der Zug an den Gurten nach, um Vilja Zeit zu geben, ihr Gleichgewicht zu finden. Noch kann keiner richtig fassen, dass sie wirklich wieder steht - und was tut die Elefantenkuh? Sie beginnt sofort, von den Büschen jenseits des Grabens zu naschen.

24.01.2008 -
Viljas Vorderkörper wird per Kran vorsichtig angehoben, so dass sie durch das Unterschieben von Strohballen seitlich abgestützt werden kann. Ein zweiter Gurt wird unter ihrem Bauch platziert.

24.01.2008 -
... wird der Körper der Elefantenkuh mit Hilfe von aufblasbaren Kissen und viel "manpower" soweit aufgerichtet, dass ein stabiler Tragegurt unter ihrer Brust hindurchgeschoben und am Kran angehängt werden kann.

24.01.2008 -
Vilja liegt im Graben und kann nicht aus eigener Kraft aufstehen. Tierpfleger holen Strohballen zum Abstützen, die Tierärztin spritzt ein kreislaufstabilisierendes Medikament. Die Feuerwehr wird zu Hilfe gerufen.
Abdruck der Bilder nur mit Namensnennung der Wilhelma und der Feuerwehr Stuttgart
